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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Breitband übers Stromnetz: Die Hoffnung stirbt zuletzt [Update 17.10.2008]


Flora
06.05.2008, 12:16
The great broadband hope oder doch eher the great broadband joke? Dallas galt als amerikanisches Flaggschiff der Breitbandnutzung über das Stromnetz, das sog. Powerline. Der Ausbau wurde gestoppt, die Zukunft der bestehenden Zugänge ist ungewiss. Australien sucht händeringend nach Möglichkeiten, Haushalte in weit entfernten, dünn besiedelten Landesteilen breitbandig ans Netz zu bringen. Und hat sich doch von Powerline verabschiedet. Was tut sich in Deutschland und der EU?

Zwei Millionen Einwohner, so die Planung, sollten in Dallas per Stromnetz breitbandige Internetzugänge erhalten können. 64.000 sind bereits am Netz. Damit war die texanische Metropole das Flaggschiff der amerikanischen Powerlineanwendung. Doch nun berichten die Dallas News (http://www.dallasnews.com/sharedcontent/dws/bus/stories/DN-current_02bus.ART.State.Edition1.460d413.html), dass der Anbieter Current Communications sein Equipment verkaufen und das Breitbandnetz vermutlich stillgelegt wird. Internet via Stromkabel bietet Current Communications auch in anderen US-Großstädten wie Cincinatti, Ohio an. Ob dieses Netz eine Zukunft hat, ist unklar. Denn das Berufungsgericht des Districts of Columbia hat im April den US-Regulierer FCC angezählt (http://pacer.cadc.uscourts.gov/common/opinions/200804/06-1343-1112979.pdf) (pdf-Datei, 108 KB), weil bei der Powerlinezulassung die Funkintereferenzen heruntergespielt wurden. Inwieweit dieses Problem in die Entscheidung in Dallas hineinspielte kann nur vermutet werden.

In Australien ist Powerlines Siechtum offenkundig beendet, wie auf Free Access nachzulesen ist (http://www.freeaccess.com.au/Structure:%20/2008/03/15/broadband-over-power-lines-dies-a-quiet-death/). Tests in den entfernteren Regionen Tasmaniens und Victorias verschwanden demnach still und leise in der Versenkung. Was trotz erfreulicher Testverläufe und zufriedener Tester bezeichnend scheint. Denn in dem riesigen und extrem dünn besiedelten Kontinent nutzt die Regierung jede Chance (http://www.kein-dsl.de/forum/showthread.php?t=10740), um selbst im Outback einen Breitbandzugang anzubieten. Unklar ist allerdings hier wie in Dallas, was letztlich die tatsächlichen Gründe für das Einstellen des Powerlinebetriebes sind.

In Deutschland ist Powerline zwar nicht tot, hat aber schon einen reichlich strengen Geruch angenommen. Die meisten Versuche erfolgten um die Jahrtausendwende und sind schon lange eingestellt. Unter anderem, weil die Funkintereferenzen nicht in den Griff zu bekommen waren. Einige kleinere Netze sind im Betrieb, scheinen aber mit Breitbandzugängen zum Internet nicht viel gemein zu haben. Wenig erfreuliches über die Performance wird in Dresden gepostet (http://www.dslfuerdresden.de/phpbb/viewforum.php?f=10), und auch das Vorzeigeprojekt Vype (http://www.kein-dsl.de/breitbandanbieter/Vype.html) in Mannheim löst nicht nur Begeisterung aus (http://www.kein-dsl.de/forum/showthread.php?t=6735). Neue Netze oder Ausbauten der bestehenden gibt es offenbar nicht, auch wenn ein Anbieter rührig kaum eine Breitbandveranstaltung auslässt (http://www.kein-dsl.de/forum/showpost.php?p=95696&postcount=4), um die Technologie zu bewerben.

An Lebenserhaltungsmaßnahmen der Technologie versucht sich seit Jahren die Europäische Union. Mit dem gut ausfinanzierten Projekt Opera (http://www.dslnachpankow.de/cms/modules/PDlinks/visit.php?cid=11&lid=33) arbeitet man an der Weiterentwicklung der Powerline-Technologie. Offenbar, weil für die EU Breitband über das Stromnetz eine Hoffnung bleibt, die ländlichen Räume Europas schnell ins Netz zu bringen. Unklar ist, ob die Reanimation des Patienten gelingt. Denn über die Zukunft von Powerline dringt aus dem Projekt Opera kaum etwas nach draußen.

[Update 17.10.2008:] Nun liegt auch das Poweline-Projekt in Manassas im US-Staat Virginia in den letzten Zügen. Das Netz wird laut InsideNova.com (http://www.insidenova.com/isn/news/local/article/city_takeover_of_bpl_has_some_concerned/22706/) von der Stadt übernommen. Zwar ist der Dienst für die knapp 700 Kunden bis Ende des ersten Quartals 2009 gesichert, aber mittelfristig scheint die Stadt allein ihre Stromversorgung per Powerline überwachen zu wollen. Manassas war die erste kommerzielle Powerline-Installation der USA.

fonte
07.05.2008, 10:05
Ich bin mal gespannt, wie sich Breitband übers Stromnetz in der Zukunft weiter entwickeln wird.

telcomm
11.05.2008, 10:24
aber zur Verteilung in Mehrfamilienhäusern und Wohnblocks könnte das eine interessante Variante sein. Bei Funklösungen besteht ja immer das Problem, wie bekomme ich das Signal zum Kunden im Erdgeschoß solcher Wohngebäude. Wir planen zur Zeit ein Projekt mit einer zentralen Einspeisung in solche Wohnblöcke per WLAN und dann die Verteilung über Powerline (in Zusammenarbeit mit der PPC AG aus Mannheim). Laut Wikipedia sollen: "Neuartige Powerline Modems können die Existenz von Kurzwellen-Rundfunkdiensten am Ort und zum Zeitpunkt ihres Betriebes erkennen, indem sie das Grundrauschen an einer Steckdose beobachten. Die durch den Rundfunk belegten Frequenzen werden dann von der Powerline Kommunikation ausgespart."

Ich bin mal gespannt, ob für ein solches Projekt die Erwartungen erfüllt werden.

Diet
13.05.2008, 10:45
Moin! Laut Wikipedia sollen: "Neuartige Powerline Modems können die Existenz von Kurzwellen-Rundfunkdiensten am Ort und zum Zeitpunkt ihres Betriebes erkennen, indem sie das Grundrauschen an einer Steckdose beobachten. Die durch den Rundfunk belegten Frequenzen werden dann von der Powerline Kommunikation ausgespart." Das Problem sind ja nicht nur die (relativ starken) Rundfunkfrequenzen, sondern die (meist sehr schwachen) Kurzwellensignale, die z.B. von Funkamateuren bei der Ausübung ihres Hobbys gehört werden und auf denen weltweit Funkstationen kontaktiert werden. Powerline deckt das ganze Frequenzband bis mindestens 30MHz (die neuen Highspeed-Systeme zur inhouse-Video-Übertragung gehen noch weit darüber hinaus) zu und macht das Band "dicht". Auch schwache Rundfunksender, die nach dem DRM-(Digital Radio Mondiale)-Standard arbeiten, werden "plattgemacht" und sind nicht mehr hörbar. Ich bin mal gespannt, ob für ein solches Projekt die Erwartungen erfüllt werden. Ich gehe nicht davon aus, daß die Erwartungen erfüllt werden können, da es sich bei Stromleitungen nicht um abgeschirmte Leitungen handelt und jede Ecke eines Kabels in der Wand als Antenne mit unbestimmter Richtwirkung fungiert. Und daher hoffe ich inständig, daß es keine weitere Fortsetzung dieser unsäglichen PLC-Geschichte - weder in- noch außer Haus gibt.

Gruß, Diet

Flora
12.11.2008, 22:15
Breitband übers Stromnetz will nicht aufgeben: IBM hat sich mit dem Startup International Broadband Electric Communications (IBEC) zusammengetan (http://www.ibec.net/pdf/20081112_IBM_and_IBEC_Work_Together.pdf), um im ländlichen Raum des us-amerikanischen Ostens für 9,6 Millionen Dollar (7,7 Mio. Euro) Breitband über Powerline anzubieten.