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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sachsens Landespolitik zu Breitband


Flora
04.03.2008, 15:08
Am 11. Januar 2008 fand im Wirtschaftsausschuss des Sächsischen Landtages eine Öffentliche Anhörung zum Antrag von Bündnis90/Die Grünen "Breitbandoffensive Sachsen: Breitbandtechnologien demographiegerecht ausbauen - digitale Kluft verringern (http://www.kein-dsl.de/news-bilder/antr_gruene.pdf) (Drs. 4/8247) (dazu Stellungnahme der Staatsregierung (http://www.kein-dsl.de/news-bilder/stellungn_smwa.pdf)) statt.

Sowohl beim Ausbau der Breitbandinfrastruktur als auch bei der Förderung der Nachfrage dieser Technologie bleibt der Freistaat weit hinter seinen Möglichkeiten - das ist das Fazit der Anhörung zum grünen Antrag "Breitbandoffensive Sachsen" im Sächsischen Landtag. In der Anhörung mahnten die Sachverständigen eine aktivere Rolle des Freistaates an, um Netzausbau und Anwendung zu fördern.

Hiltrud Snelinski vom Sächsischen Landfrauenverband unterstrich die Bedeutung der Breitbandversorgung für die weitere Entwicklung des Ländlichen Raumes. Entgegen der Auffassung der Staatsregierung sei die Breitbandversorgung zunehmend Grundvoraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auch für Kindertagesstätten und Schulen seien Breitbandzugänge mittlerweile unverzichtbar. Dementsprechend müssten im Rahmen einer Breitbandoffensive insbesondere die bestehenden technischen Hürden bei der Nutzung der Glasfasernetze mit finanzieller Förderung des Freistaates überwunden werden.

Karl-Heinz Mantau (DSL-Initiative Rechenberg-Bienenmühle) schilderte die Problematik fehlender Breitbandzugänge aus Sicht des ländlichen Raumes. Nicht nur für Bürger, sondern auch für Unternehmen haben unzureichende Datenverbindungen erhebliche Verzögerungen im Betriebsablauf zur Folge.

Der Sachverständige Dr. Manfred Goedecke (IHK-Südwest-Sachsen) forderte die Staatsregierung auf, im Rahmen einer Breitbandoffensive die Koordinierung und Bündelung der verschiedenen Aktivitäten bei Infrastrukturausbau und Anwendungsförderung zu übernehmen. Notwendig sei darüber hinaus ein IT-Report, um den Stand der unternehmerischen Entwicklung auf dem Gebiet darstellen zu können. Laut Dr. Andreas Brezinski (Handwerkskammer Leipzig) steckt die Breitbandanwendung bei Freistaat und Kommunen (E-Government) noch am Anfang. Eine Ausweitung der Technologie ist für eine Nachfragestärkung unabdingbar.

Der Politik- und Medienwissenschaftler Sven-Gábor Jánszki (Mitteldeutschen Kommunikations- und Kongressgesellschaft) verwies auf die grundgesetzliche Garantie der Informationsfreiheit und des Zugangs zu meinungsbildender Vielfalt (Art. 5 GG), aus der das Gebot zur öffentlichen Gewährleistung der Grundversorgung mit Breitband abgeleitet werden kann.

Laut Schätzung des Breitbandexperten Dr. Martin Fornefeld könnten bei einer optimalen Breitbandversorgung jährlich 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Sachsen entstehen. Die Verfügbarkeit von leistungsstarken Breitbandanschlüssen von mindestens 2 MB/s liegt in Sachsen bei rund 50 Prozent. Dadurch nutzen lediglich 10 Prozent aller sächsischen Haushalte Breitband. Um das in Sachsen großflächig vorhandene Glasfasernetz für Breitbandanwendungen nutzen zu können, muss der Freistaat Sorge für die Überwindung der vorhandenen technischen Hindernisse tragen und prüfen, ob eine Neuausschreibung des Netzes notwendig ist. Gerstenberg sieht seine Forderung nach einer öffentlichen Förderung der Breitbandinfrastruktur bestätigt: Auch wenn der wirtschaftliche Ausbau klaren Vorrang hat, muss dort, wo Wirtschaftlichkeitslücken bestehen der Freistaat den Einsatz öffentlicher Mittel nach dem Wettbewerbsprinzip gründlich prüfen.

Helmut Burger (IHK für München und Oberbayern) stellte die Aktivitäten der Breitbandoffensive Bayerns vor, die vor allem auf die Vernetzung von Anbietern und Nachfragern setze. Schlüssel zu einer besseren Breitbandversorgung sind die Kommunen, die der Freistaat Bayern in den nächsten 3 Jahren mit insgesamt 19 Millionen Euro unterstützt. Diese Fördermittel könnten von den Kommunen zur Schließung von Wirtschaftlichkeitslücken bei Ausbau der Infrastruktur vor Ort abgerufen werden.

Der Parlamentarische Geschäftsführer und breitbandpolitische Sprecher der GRÜNEN-Fraktion, Dr. Karl-Heinz Gerstenberg forderte die Staatsregierung auf, nach dem Vorbild anderer Bundesländer wie Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen eine Breitbandoffensive für Sachsen zu starten. Drei Sofortmaßnahmen, die kaum Geld kosten, sind jetzt notwendig: Erstens die Schaffung eines umfassenden Monitorings über die tatsächliche Breitbandversorgung in Sachsen. Zweitens die Einrichtung einer Koordinations- und Servicestelle, die die Kommunikation zwischen Anbietern und Nachfragern von Breitbandlösungen ermöglicht. Drittens die Einsetzung einer Task-Force, die die spezifischen Probleme des Glasfasernetzes für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur untersucht und Lösungen erarbeitet. Im Interesse der Bürger und Unternehmen kann es sich Sachsen Gerstenberg zufolge nicht leisten, in weiten Teilen den Anschluss an eine Schlüsseltechnologie zu verlieren.

Flora
08.05.2008, 09:27
Die Diskussion um die Breitbandversorgung des Freistaates Sachsen ist ins Rollen gekommen. Nachdem die Bündnisgrünen zum Jahresanfang eine Anhörung im Wirtschaftsausschuss initiiert hatten und absehbar war, dass der Freistaat Sachsen wie alle Flächenländer eine Breitbandförderung auf die Gleise setzen würde, haben auch die Linke und die CDU/SPD-Koalition Anträge zu Breitband in den Landtag eingebracht.

Der Antrag der Linken "Maßnahmepakete zur Verbesserung der Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellen Breitband-Internetzugängen – Gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen, Wirtschaftsstandort Sachsen stärken!" (Drs. 4/12086 (http://www.landtag.sachsen.de/slt_online/de/infothek/dokumente/viewer.aspx?dok_nr=12086&dok_art=Drs&leg_per=4&pos_dok=1)) hat in großen Zügen den Charakter eines Schaufensterantrages einer Oppositionspartei, der über bereits laufende Prozesse zur Verbesserung der Breitbandversorgung auf Bundesebene und auf Landesebene nicht hinausgeht. Damit bleibt er erstaunlicherweise deutlich hinter dem Engagement der Partei auf Bundesebene zurück, wo diese im Bundestag maßgeblichen Anteil daran hat, dass das Thema weit oben auf der politischen Tagesordnung stand und ein Maßnahmeplan zum bundesweiten Breitbandausbau aufgestellt wurde.

Der Antrag der beiden sächsischen Regierungspartner "Breitbandversorgung im Freistaat Sachsen" (Drs. 4/12165 (http://www.landtag.sachsen.de/slt_online/de/infothek/dokumente/viewer.aspx?dok_nr=12165&dok_art=Drs&leg_per=4&pos_dok=1)) wirkt reichlich uninspiriert ("...weiter darauf hinzuwirken, die Erschließung des Ländlichen Raumes des Freistaates Sachsen (...) zu verbessern"). Auf nur einer A4-Seite ist es ein (beinahe) reiner Prüfauftrag, obwohl doch gerade in Sachsen der Handlungsdruck angesichts einer wirklich bescheidenen Versorgungslage des ländlichen Raumes evident ist. Die Koalition will erfahren, was eine laufende Tiefenuntersuchung (http://www.kein-dsl.de/forum/showthread.php?t=10857) für Ergebnisse erbracht hat und möchte diese Ergebnisse auf die unversorgten Kommunen Sachsens übertragen. Ferner solle das Für und Wider einer Aufnahme der Breitbandversorgung in die Grundversorgung sowie die Einrichtung einer Clearingsstelle bis zum Jahresende überprüft werden.

Flora
06.06.2008, 11:05
Im Gegensatz zu Niedersachsen (http://www.kein-dsl.de/forum/showpost.php?p=98070&postcount=7) fand die Breitbanddebatte im sächsischen Landesparlament am 29. Mai (http://www.landtag.sachsen.de/slt_online/Data/Sitzungskalender/PlPr/PlPr4-108.pdf) (Plenarprotokoll der 108. Sitzung des sächsischen Landtages ab Seite 8957, pdf-Datei, 2,6 MB) quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil die Breitband-Unterversorgung in Sachsen für die landesweiten Medien nur selten ein Thema zu sein scheint. Die Frage ist, ob man dies als Indikator für die Bedeutung der Versorgungsproblematik nehmen kann.

[Update_15.08.2008:] Der vom Landtag geforderte Bericht liegt zwischenzeitig auf Drucksache 4/12982 (http://www.landtag.sachsen.de/slt_online/de/infothek/dokumente/viewer.aspx?dok_nr=12982&dok_art=Drs&leg_per=4&pos_dok=1) vor. Der Prüfauftrag der Koalitionsfraktionen war bereits so formuliert, dass die Beantwortung für die Regierung ein Heimspiel wurde. Die in der Tiefenuntersuchung betrachteten Fälle werden exemplarisch für eine erfolgsaussichtige landesweite Erschließung mithilfe des avisierten Instrumentariums genommen: Information, regional differenzierte Markterschließung und bei Marktversagen Breitbandförderung. Die Unterstützung landesseitig kommt mit dem Konzept "Sachsen macht sich breit(bandig)".

Den Universaldienst betrachtet die Regierung des Freistaates nicht als Lösung. Er wirkt dysfunktional, wie das Beispiel Schweiz zeige: Ein vergleichsweise schwaches Mindestangebot (600 Kbit Downstream, 100 Kbit Up) kann nur mithilfe von HSDPA und Zwei-Wege-Satellitenbreitband realisiert werden. Und das, obwohl der Ausgangspunkt in der Schweiz ein sehr gut ausgebautes xDSL-Netz gewesen sei. In Sachsen würde mit einem Universaldienst bei (vergleichbar) niedrigen Anforderungen nur der bestehende Zustand festgeschrieben. Bei der Festlegung einer größeren Performance hingegen entstünden so hohe Zusatzkosten, dass sie entweder von den Kunden oder den Steuerzahlern zu tragen wären. Marktverzerrung wäre unvermeidlich, sodass die sich aus einer regional differenzierten Breitbanderschließung ergebenden Kostenvorteile ungenutzt blieben.

[Update_04.12.2008:] Sachsens Linkspartei, resp. ihrer Fraktion im Landtag scheinen die Themen ausgegangen zu sein. Und so hat sie zwei Kleine Anfragen zu Breitband eingebracht, deren jetzt vorliegende Beantwortungen zurecht ebenso belanglos sind wie die Fragen. Wer Langeweile hat, mag sich in den Drucksachen 4/13784 (http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=13784&dok_art=Drs&leg_per=4&pos_dok=2) und 4/13785 (http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=13785&dok_art=Drs&leg_per=4&pos_dok=2) davon selbst überzeugen.

Dino75195
07.06.2008, 23:23
Na da bin ich ja mal gespannt,

gruß Robert

TheDarkside
07.07.2008, 20:38
Nur warum wird immer genau der teuerste Ausbau gefördert. Es ist doch völlig unsinnig, für eine Gemeinde mit 100 Interessenten 250000€ oder mehr zu investieren um den Ausbau des Kabels voranzutreiben. Das würde bedeuten das bei 30€ Monatgebühr alle Interessenten 83 Monate zahlen müssen um die Investition zu decken. Ich habe mit einem Anbieter alternativer Technologien, wie PRE-Wimax etc gesprochen, ( da ich selbst bei einem solchen angebunden bin, nd sehr zufrieden) , welcher dann meinte, den gleichen Ortsbereich für weniger als 20000€ erschließen zu können.
Ich weiß nicht welche Summe genau gefördert wird, beim Ausbau, aber das scheint mir typisch für Deutschland, immer die teuerste Variante wählen. Der Steuerzahler wirds schon richten....

spartacus
30.01.2009, 22:24
Auf deine Frage / Feststellung gibt es eigentlich eine ganz einfache Erklärung: das sind die Fakten wie im Baugewerbe, wo das meiste verdient wird (=kostet), ist sehr viel Spielraum für diverse Gefälligkeiten (Schmiergelder). Das wird wohl der Hintergrund dessen sein, jedoch kann ich da ganz falsch liegen!
Man will ja niemandem etwas unterstellen.

Nenunikat
31.01.2009, 11:15
Nur warum wird immer genau der teuerste Ausbau gefördert. Es ist doch völlig unsinnig, für eine Gemeinde mit 100 Interessenten 250000€ oder mehr zu investieren um den Ausbau des Kabels voranzutreiben. Das würde bedeuten das bei 30€ Monatgebühr alle Interessenten 83 Monate zahlen müssen um die Investition zu decken. Ich habe mit einem Anbieter alternativer Technologien, wie PRE-Wimax etc gesprochen, ( da ich selbst bei einem solchen angebunden bin, nd sehr zufrieden) , welcher dann meinte, den gleichen Ortsbereich für weniger als 20000€ erschließen zu können.
Ich weiß nicht welche Summe genau gefördert wird, beim Ausbau, aber das scheint mir typisch für Deutschland, immer die teuerste Variante wählen. Der Steuerzahler wirds schon richten....
Warum statt WIMAX/WLAN lieber auf die Kabelvariante gesetzt wird (wo es irgendwo möglich / noch bezahlbar ist) hat einen guten Grund: Die Funknetze, wo die Funkverbindung direkt bis zum Kunden geht, haben bisher immer noch mit zu vielen Ausfällen, mit insgesamt zu wenig Leistung zu kämpfen.
Es ist also technisch nur eine Notlösung/Übergangslösung.
Etwas anderes wäre eine Richtfunkverbindung, um damit auf die lange Glasfaserzuleitung zum KVZ verzchten zu können. Diese soll einer Glasfaserzuleitung technisch ebenbürdig sein. So reden jedenfalls unisono verschiedene auf diesem Gebiet tätige Leute ...

alle9ne
20.04.2009, 09:10
wie heute in der Torgauer Zeitung (http://www.torgauerzeitung.com/Default.aspx?t=NewsDetailModus(41245)) zu lesen ist, fordert die Fraktion "Die Linke" des Kreistag Nordsachsen, eine Breitbandoffensive um allen Bürgern und Unternehmen bis 2011 einen kostengünstigen Internetzugang mit min. 1Mbs zu ermöglichen.

vsven
10.06.2009, 15:43
Sachsens erste Breitbandberatungsstelle hat am Montag dieser Woche ihre Arbeit aufgenommen. Die Agentur mit dem Namen "Kommunale Informationsverarbeitung Sachsen" (KISA) (http://www.kisa.it/) bietet zukünftig allen Gemeinden, Vereinen und Verbänden im ländlichen Raum Informationen und vielfältige Serviceleistungen rund um die Förderung von Breitbandinternet an.

Die Breitbandberatungsstelle ist unter folgender Adresse erreichbar: KISA, Käthe-Kollwitz-Ufer 88, 01309 Dresden. Die Telefonnummer lautet: 0351/65694-11100, Fax 0351/65694-11102, E-Mail: post(at)kisa.it. Unter www.kisa.it (http://www.kisa.it/) richtet die Breitbandberatungsstelle zur Zeit eine Internetplattform ein, auf der alle notwendigen Informationen zur Förderung verfügbar gemacht werden sollen und auf der die Kommunen ihre Anbieterabfragen und Ausschreibungen veröffentlichen können.