Frogger99
22.03.2006, 01:06
1876 erfand Alexander Graham Bell das Telefon. Am Grundprinzip hat sich bis heute nichts geändert: Abheben, Wählen, Sprechen, Auflegen. Nur das Transportmedium wird ein anderes: Vom leitungsgebundenen Telefonnetz hin zum paketvermittelten Internet. Voice-over-IP – der Transport von Sprache über das Internet-Prokoll (IP) – ist gerade dabei, die herkömmliche Telefonie abzulösen.
So neu ist die Idee dabei nicht: Bereits seit zehn Jahren gibt es immer wieder Versuche, VoIP an den Mann zu bringen. Erst mit der starken Verbreitung von DSL-Anschlüssen ergab VoIP jedoch einen Sinn, denn Internet-Telefonie ist nicht besonders sinnvoll, wenn die Internet-Verbindung über eine ISDN-Leitung aufgebaut wird: Zum einen wird die Nutzung von ISDN-Leitungen zeitbasiert abgerechnet, zum anderen reicht die Bandbreite von 64 kbit/s nicht aus, um eine gute Sprachqualität zu gewährleisten.
Der Preis: Totschlag-Argument Nummer eins
Der Vorteil von VoIP liegt nun darin, dass ein Gespräch nicht unbedingt die gesamte Leitung blockiert, viel wichtiger ist aber, dass keine komplett eigene Leitung gebraucht wird, um ein Gespräch führen zu können. Dadurch, dass das Gespräch in IP-Pakete aufgeteilt wird, können mehrere Gespräche über eine Leitung laufen – diesen Kostenvorteil geben die Anbieter an die Kunden weiter. Es müssen also keine großen Leitungskapazitäten vorgehalten werden.
Wie aber kommen Gespräche im Internet zu Stande? Die wenigsten Surfer haben schließlich eine feste IP-Adresse, sondern bekommen bei jeder Einwahl eine neue. Dazu dient das Session Initiation Protocol (SIP), das alle bekannten VoIP-Provider außer Skype benutzen. Jeder Nutzer erhält eine eindeutige Adresse, mit der er sich beim Server seines Anbieters anmeldet. Bei einem Anruf über eine Telefonnummer wird die Nummer mittels ENUM in die SIP-Adresse übersetzt – das Gespräch kann beginnen.
Telefonieren nicht über den Server
Bei VoIP wird nur der Verbindungsaufbau über den Server abgewickelt. Dazu gehören auch die Aushandlung von den passenden Codecs für die Digitalisierung der Sprachdaten sowie der Austausch von IP-Adressen und Ports. Das Gespräch selbst wird dann nicht mehr über den Server, sondern ausschließlich zwischen den beiden Gesprächspartnern geführt. Erst beim Beenden des Gesprächs kommt SIP wieder ins Spiel und sorgt für einen ordentlichen Gesprächsabbau.
Gespräche ins Festnetz werden über ein so genanntes Gateway geführt. Diese sind einfach nur Schnittstellen zwischen dem IP-Netz und dem normalen Telefonnetz. In diesem Fall ist das Gateway die SIP-Gegenstelle, die das Gespräch annimmt und auf die herkömmliche Telefonleitung schaltet. Das ganze funktioniert auch umgekehrt, wenn ein VoIP-Nutzer vom Festnetz aus angerufen wird: Die Rufnummer ist auf den Gateway geschaltet. Der nimmt das Gespräch an, vermittelt es per SIP an der VoIP-Nutzer und übergibt es. All das geschieht in Echtzeit.
Inzwischen bekommt man bei fast jedem größeren Internet-Provider einen VoIP-Dienst dazu, teilweise mit Rufnummer, teilweise ohne. Ebenso gibt es freie Anbieter, bei denen man einen VoIP-Dienst bekommt, der unabhängig vom Internetzugang ist. Solche Anbieter sind bsiepielsweise Sipgate oder Nikotel. Diese Anbieter eigenen sich gut, um VoIP auszuprobiereren: Sie kosten in der Regel keine Grundgebühr, man erhält eine Rufnummer und kann netzintern kostenlos telefonieren.
Ausprobieren kostet gar nichts
Zunächst braucht man auch keine Hardware: Mit Telefon-Programmen wie X-Lite von Xten und einem Standard-Headset können problemlos erste Gespräche geführt werden. Für den dauerhaften Einsatz empfiehlt sich allerdings die Anschaffung von VoIP-Hardware.
Mittlerweile ist die Auswahl auch relativ groß, dabei verfolgen die Hersteller verschiedene Konzepte: Zum einen gibt es reine IP-Telefone, teilweise auch mit WLAN. Andererseits werden Adapter angeboten, mit denen sich ein normales Telefon an den DSL-Router oder direkt ans Modem anschließen lässt. Teilweise haben diese Geräte noch einen Anschluss für die herkömmliche Telefonleitung. Die dritte Kategorie sind Kombigeräte, die DSL-Modem, Router, WLAN und VoIP vereinen, wie die Fritz!Box Fon oder das Siemens Gigaset SX541. Der Trend geht stark zu den Kombigeräten, vor allem die reinen IP-Telefone konnten sich bei Privatkunden nicht durchsetzen.
Warten auf die Entbündelung
Momentan ist VoIP noch eher eine Ergänzung zum herkömmlichen Telefon, vor allem wegen der kostenfreien netzinternen Gespräche. Zwar können sich die meisten VoIP-Tarife gut gegen Call-by-Call im Festnetz behaupten, das Problem ist jedoch, dass man den DSL-Anschluss nur dann bekommt, wenn man den Telefonanschluss behält. Der richtige Boom für VoIP wird erst kommen, wenn man den Telefonanschluss abmelden, und trotzdem seinen DSL-Anschluss behalten kann.
ann müssen sich alle Festnetz-Provider warm anziehen – sowohl die gute alte Telekom als auch Arcor und die Stadtnetzbetreiber, denn dann werden viele Kunden auf VoIP umsteigen. Dabei profitieren sie nicht nur von den niedrigen Preisen für die Telefongespräche, ohne sich regelmäßig über günstige Vorwahlen informieren zu müssen, sondern können sich auch die Grundgebühr für die Telefonleitung sparen.
VoIP wird also den Markt kräftig aufmischen, das Problem ist nur: Es gibt keine konkreten Pläne, wann Telefon und DSL entbündelt werden sollen. Auf der diesjährigen CeBIT machten aber Gerüchte die Runde, dass sich im Laufe des Jahres etwas in dieser Richtung tun werde. Vor Mitte 2006 rechnete aber niemand mit einer vollzogenen Entbündelung.
Streng bewachte Rufnummern
Bis dahin müssen ohnehin noch einige organisatorische Hürden genommen werden, vor allem bei der Rufnummernvergabe. Am Anfang verteilten die VoIP-Provider die Nummern relativ wahllos unter den Kunden. Wer wollte, konnte eine Müchner Nummer bekommen, obwohl er in Hamburg wohnte. Dem schob die Regulierungsbehörde einen Riegel vor und beschloss, eine eigene Rufnummerngasse mit der Vorwahl 032 zu schaffen. In dieser Richtung hat sich bis jetzt nicht viel getan, deshalb vergeben die Provider nun Nummern aus fast allen Ortsnetzen; teilweise aber auch mit der teuren 01801-Vorwahl.
An den Rufnummern krankt VoIP immer noch: Eigentlich muss jede vergebene Nummer portiert werden können. Das ist zwar technisch kein Problem, oganisatorisch aber wohl schon: So könnte die Portierung einer VoIP-Nummer beispielsweise von Freenet zu 1&1 Monate dauern, weil kein entsprechdenes Verfahren besteht. Dahinter steht jedoch der Gedanke, dass es eine lebenslange persönliche Rufnummer gibt, die sich überall hin portieren lässt – ähnlich wie beim Mobilfunk.
VoIP am Hotspot: Schön wärs
Mobil ist aber VoIP aber auch: Überall, wo ein Internet-Zugang mit ausreichender Bandbreite zur Verfügung steht, kann VoIP genutzt werden. Mit einem Laptop ausgerüstet genügt ein WLAN-Zugang, entweder im Internet-Café, beim Kumpel, an der Uni oder im Büro. Ideal sind für solche Zwecke natürlich WLAN-Telefone, die sich verschiedene WLAN-Zugänge merken können. So könnte man ein WLAN-Telefon zu Hause, bei der Freundin und im Büro nutzen und wäre immer unter der bekannten Festnetznummer erreichbar.
Vor allem die Verkäufer von WLAN-Telefonen preisen immer wieder die Nutzung an öffentlichen Hotspots an. Das wäre natürlich nett, funktioniert aber in der Praxis fast nie: Beim Anmelden an einen Hotspot müssen in der Regel Benutzername und Passwort in eine Browsermaske eingegeben werden. Da aber bis jetzt kein Telefon über einen Browser verfügt, der eine solche Eingabemaske anzeigt, kann man in den meisten Hotspots nicht telefonieren. Außerdem ist bei den aktuellen Hotspot-Preisen und Handy-Tarifen ein Anruf mit dem Handy ohnehin günstiger.
Trotzdem gibt es immer noch Gründe, die teilweise gegen VoIP sprechen: Bei einigen Providern ist es zum Beispiel nicht möglich, einen Notruf an die Nummern 110 und 112 abzusetzen. Die meisten Anbieter haben aber mittlerweile Möglichkeiten gefunden, Notrufe an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Allerdings sollte einem klar sein, dass der Anruf bei einer Notrufnummer nur dann einen Sinn ergibt, wenn man wirklich auch zu Hause ist. Denn sonst kommt der Notruf vielleicht in der Heimatstadt München an – obwohl man gerade in Hamburg ist.
ISDN-Komfort
Schließlich muss aber auch niemand, der den Leistungsumfang von ISDN gewohnt ist, auf die so genannten Komfortmerkmale verzichten: Rufnummernübermittlung, Anklopfen, Makeln, Dreierkonferenz – all das ist mit dem richtigen Provider kein Problem. Ein Problem hat VoIP, und das wird wohl so schnell auch nicht gelöst: Im Gegensatz zu einem schnurgebundenen Telefon funktioniert VoIP bei Stromausfall nicht, weil alle VoIP-Geräte Strom brauchen.
VoIP wird immer noch schlechte Qualität nachgesagt – was aber nur zum Teil stimmt. Wer neben einem VoIP-Telefonat noch massig Daten aus dem Internet saugt oder verschickt, bringt natürlich auch den VoIP-Datenstrom in Stocken. Moderne Geräte beitzen deswegen ein Traffic-Management, das die VoIP-Daten priorisiert. IP-Telefone, die an einen Router angschlossen sind, können das natürlich nicht leisten.
Kinderkrankheiten kuriert
Aber selbst wenn die Daten bis in die DSL-Leitung Vorfahrt haben, können sie im Internet immer noch auf einen Stau stoßen, denn dort werden sie nicht mehr priorisiert. Zwar soll mit dem neuen Internetprotokoll IPv6, das gerade Stück für Stück eingeführt wird, auch eine Priorisierung für Sprachdaten kommen, bis dahin wird es aber noch einige Jahre dauern. Außerdem ist unklar, ob alle Beteiligten die Priorisierung implementieren werden.
Trotz allem hat VoIP mittlerweile – nur rund ein Jahr nach der breiten Einführung – ein beachtliches Niveau erreicht. Mit guter Soft- oder Hardware lässt sich wie gewohnt telefonieren. Die Gesprächsqualität ist höher als mit einem Handy, die Verbindungen brechen nicht ab und die Gespräche kommen problemlos zu Stande. VoIP ist bereit, es fehlt nur noch die breite Masse, die es nutzt.
Quelle:http://www.netzwelt.de/news/70789_4-voiceoverip-wachabloesung-fuers-festnetz.html
So neu ist die Idee dabei nicht: Bereits seit zehn Jahren gibt es immer wieder Versuche, VoIP an den Mann zu bringen. Erst mit der starken Verbreitung von DSL-Anschlüssen ergab VoIP jedoch einen Sinn, denn Internet-Telefonie ist nicht besonders sinnvoll, wenn die Internet-Verbindung über eine ISDN-Leitung aufgebaut wird: Zum einen wird die Nutzung von ISDN-Leitungen zeitbasiert abgerechnet, zum anderen reicht die Bandbreite von 64 kbit/s nicht aus, um eine gute Sprachqualität zu gewährleisten.
Der Preis: Totschlag-Argument Nummer eins
Der Vorteil von VoIP liegt nun darin, dass ein Gespräch nicht unbedingt die gesamte Leitung blockiert, viel wichtiger ist aber, dass keine komplett eigene Leitung gebraucht wird, um ein Gespräch führen zu können. Dadurch, dass das Gespräch in IP-Pakete aufgeteilt wird, können mehrere Gespräche über eine Leitung laufen – diesen Kostenvorteil geben die Anbieter an die Kunden weiter. Es müssen also keine großen Leitungskapazitäten vorgehalten werden.
Wie aber kommen Gespräche im Internet zu Stande? Die wenigsten Surfer haben schließlich eine feste IP-Adresse, sondern bekommen bei jeder Einwahl eine neue. Dazu dient das Session Initiation Protocol (SIP), das alle bekannten VoIP-Provider außer Skype benutzen. Jeder Nutzer erhält eine eindeutige Adresse, mit der er sich beim Server seines Anbieters anmeldet. Bei einem Anruf über eine Telefonnummer wird die Nummer mittels ENUM in die SIP-Adresse übersetzt – das Gespräch kann beginnen.
Telefonieren nicht über den Server
Bei VoIP wird nur der Verbindungsaufbau über den Server abgewickelt. Dazu gehören auch die Aushandlung von den passenden Codecs für die Digitalisierung der Sprachdaten sowie der Austausch von IP-Adressen und Ports. Das Gespräch selbst wird dann nicht mehr über den Server, sondern ausschließlich zwischen den beiden Gesprächspartnern geführt. Erst beim Beenden des Gesprächs kommt SIP wieder ins Spiel und sorgt für einen ordentlichen Gesprächsabbau.
Gespräche ins Festnetz werden über ein so genanntes Gateway geführt. Diese sind einfach nur Schnittstellen zwischen dem IP-Netz und dem normalen Telefonnetz. In diesem Fall ist das Gateway die SIP-Gegenstelle, die das Gespräch annimmt und auf die herkömmliche Telefonleitung schaltet. Das ganze funktioniert auch umgekehrt, wenn ein VoIP-Nutzer vom Festnetz aus angerufen wird: Die Rufnummer ist auf den Gateway geschaltet. Der nimmt das Gespräch an, vermittelt es per SIP an der VoIP-Nutzer und übergibt es. All das geschieht in Echtzeit.
Inzwischen bekommt man bei fast jedem größeren Internet-Provider einen VoIP-Dienst dazu, teilweise mit Rufnummer, teilweise ohne. Ebenso gibt es freie Anbieter, bei denen man einen VoIP-Dienst bekommt, der unabhängig vom Internetzugang ist. Solche Anbieter sind bsiepielsweise Sipgate oder Nikotel. Diese Anbieter eigenen sich gut, um VoIP auszuprobiereren: Sie kosten in der Regel keine Grundgebühr, man erhält eine Rufnummer und kann netzintern kostenlos telefonieren.
Ausprobieren kostet gar nichts
Zunächst braucht man auch keine Hardware: Mit Telefon-Programmen wie X-Lite von Xten und einem Standard-Headset können problemlos erste Gespräche geführt werden. Für den dauerhaften Einsatz empfiehlt sich allerdings die Anschaffung von VoIP-Hardware.
Mittlerweile ist die Auswahl auch relativ groß, dabei verfolgen die Hersteller verschiedene Konzepte: Zum einen gibt es reine IP-Telefone, teilweise auch mit WLAN. Andererseits werden Adapter angeboten, mit denen sich ein normales Telefon an den DSL-Router oder direkt ans Modem anschließen lässt. Teilweise haben diese Geräte noch einen Anschluss für die herkömmliche Telefonleitung. Die dritte Kategorie sind Kombigeräte, die DSL-Modem, Router, WLAN und VoIP vereinen, wie die Fritz!Box Fon oder das Siemens Gigaset SX541. Der Trend geht stark zu den Kombigeräten, vor allem die reinen IP-Telefone konnten sich bei Privatkunden nicht durchsetzen.
Warten auf die Entbündelung
Momentan ist VoIP noch eher eine Ergänzung zum herkömmlichen Telefon, vor allem wegen der kostenfreien netzinternen Gespräche. Zwar können sich die meisten VoIP-Tarife gut gegen Call-by-Call im Festnetz behaupten, das Problem ist jedoch, dass man den DSL-Anschluss nur dann bekommt, wenn man den Telefonanschluss behält. Der richtige Boom für VoIP wird erst kommen, wenn man den Telefonanschluss abmelden, und trotzdem seinen DSL-Anschluss behalten kann.
ann müssen sich alle Festnetz-Provider warm anziehen – sowohl die gute alte Telekom als auch Arcor und die Stadtnetzbetreiber, denn dann werden viele Kunden auf VoIP umsteigen. Dabei profitieren sie nicht nur von den niedrigen Preisen für die Telefongespräche, ohne sich regelmäßig über günstige Vorwahlen informieren zu müssen, sondern können sich auch die Grundgebühr für die Telefonleitung sparen.
VoIP wird also den Markt kräftig aufmischen, das Problem ist nur: Es gibt keine konkreten Pläne, wann Telefon und DSL entbündelt werden sollen. Auf der diesjährigen CeBIT machten aber Gerüchte die Runde, dass sich im Laufe des Jahres etwas in dieser Richtung tun werde. Vor Mitte 2006 rechnete aber niemand mit einer vollzogenen Entbündelung.
Streng bewachte Rufnummern
Bis dahin müssen ohnehin noch einige organisatorische Hürden genommen werden, vor allem bei der Rufnummernvergabe. Am Anfang verteilten die VoIP-Provider die Nummern relativ wahllos unter den Kunden. Wer wollte, konnte eine Müchner Nummer bekommen, obwohl er in Hamburg wohnte. Dem schob die Regulierungsbehörde einen Riegel vor und beschloss, eine eigene Rufnummerngasse mit der Vorwahl 032 zu schaffen. In dieser Richtung hat sich bis jetzt nicht viel getan, deshalb vergeben die Provider nun Nummern aus fast allen Ortsnetzen; teilweise aber auch mit der teuren 01801-Vorwahl.
An den Rufnummern krankt VoIP immer noch: Eigentlich muss jede vergebene Nummer portiert werden können. Das ist zwar technisch kein Problem, oganisatorisch aber wohl schon: So könnte die Portierung einer VoIP-Nummer beispielsweise von Freenet zu 1&1 Monate dauern, weil kein entsprechdenes Verfahren besteht. Dahinter steht jedoch der Gedanke, dass es eine lebenslange persönliche Rufnummer gibt, die sich überall hin portieren lässt – ähnlich wie beim Mobilfunk.
VoIP am Hotspot: Schön wärs
Mobil ist aber VoIP aber auch: Überall, wo ein Internet-Zugang mit ausreichender Bandbreite zur Verfügung steht, kann VoIP genutzt werden. Mit einem Laptop ausgerüstet genügt ein WLAN-Zugang, entweder im Internet-Café, beim Kumpel, an der Uni oder im Büro. Ideal sind für solche Zwecke natürlich WLAN-Telefone, die sich verschiedene WLAN-Zugänge merken können. So könnte man ein WLAN-Telefon zu Hause, bei der Freundin und im Büro nutzen und wäre immer unter der bekannten Festnetznummer erreichbar.
Vor allem die Verkäufer von WLAN-Telefonen preisen immer wieder die Nutzung an öffentlichen Hotspots an. Das wäre natürlich nett, funktioniert aber in der Praxis fast nie: Beim Anmelden an einen Hotspot müssen in der Regel Benutzername und Passwort in eine Browsermaske eingegeben werden. Da aber bis jetzt kein Telefon über einen Browser verfügt, der eine solche Eingabemaske anzeigt, kann man in den meisten Hotspots nicht telefonieren. Außerdem ist bei den aktuellen Hotspot-Preisen und Handy-Tarifen ein Anruf mit dem Handy ohnehin günstiger.
Trotzdem gibt es immer noch Gründe, die teilweise gegen VoIP sprechen: Bei einigen Providern ist es zum Beispiel nicht möglich, einen Notruf an die Nummern 110 und 112 abzusetzen. Die meisten Anbieter haben aber mittlerweile Möglichkeiten gefunden, Notrufe an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Allerdings sollte einem klar sein, dass der Anruf bei einer Notrufnummer nur dann einen Sinn ergibt, wenn man wirklich auch zu Hause ist. Denn sonst kommt der Notruf vielleicht in der Heimatstadt München an – obwohl man gerade in Hamburg ist.
ISDN-Komfort
Schließlich muss aber auch niemand, der den Leistungsumfang von ISDN gewohnt ist, auf die so genannten Komfortmerkmale verzichten: Rufnummernübermittlung, Anklopfen, Makeln, Dreierkonferenz – all das ist mit dem richtigen Provider kein Problem. Ein Problem hat VoIP, und das wird wohl so schnell auch nicht gelöst: Im Gegensatz zu einem schnurgebundenen Telefon funktioniert VoIP bei Stromausfall nicht, weil alle VoIP-Geräte Strom brauchen.
VoIP wird immer noch schlechte Qualität nachgesagt – was aber nur zum Teil stimmt. Wer neben einem VoIP-Telefonat noch massig Daten aus dem Internet saugt oder verschickt, bringt natürlich auch den VoIP-Datenstrom in Stocken. Moderne Geräte beitzen deswegen ein Traffic-Management, das die VoIP-Daten priorisiert. IP-Telefone, die an einen Router angschlossen sind, können das natürlich nicht leisten.
Kinderkrankheiten kuriert
Aber selbst wenn die Daten bis in die DSL-Leitung Vorfahrt haben, können sie im Internet immer noch auf einen Stau stoßen, denn dort werden sie nicht mehr priorisiert. Zwar soll mit dem neuen Internetprotokoll IPv6, das gerade Stück für Stück eingeführt wird, auch eine Priorisierung für Sprachdaten kommen, bis dahin wird es aber noch einige Jahre dauern. Außerdem ist unklar, ob alle Beteiligten die Priorisierung implementieren werden.
Trotz allem hat VoIP mittlerweile – nur rund ein Jahr nach der breiten Einführung – ein beachtliches Niveau erreicht. Mit guter Soft- oder Hardware lässt sich wie gewohnt telefonieren. Die Gesprächsqualität ist höher als mit einem Handy, die Verbindungen brechen nicht ab und die Gespräche kommen problemlos zu Stande. VoIP ist bereit, es fehlt nur noch die breite Masse, die es nutzt.
Quelle:http://www.netzwelt.de/news/70789_4-voiceoverip-wachabloesung-fuers-festnetz.html