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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : VDSL wird reguliert


Flora
21.08.2006, 16:37
Wie es sich in der vergangene Woche schon andeutete verfügte die EU-Kommission heute, dass die Deutsche Telekom ihr VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz für Wettbewerber öffnen muss. Dies werde zu "besseren Angeboten und niedrigeren Preisen für den Internet-Zugang führen", wird die zuständige Kommissarin Viviane Reding in den Medien zitiert. Die EU-Kommission forderte die Bundesnetzagentur zugleich auf, die Entscheidung "ohne weitere Verzögerung" umzusetzen.

Das stinkt der Telekom gewaltig. "Die Auflagen sind ein klassischer Fall von Überregulierung", heißt es aus Telekomkreisen. Um zumindest für einige Jahre aus der Regulierung ausgenommen zu werden, hatte sich die Telekom der Unterstützung der Bundesregierung versichert. So gelangte die VDSL-Wettbewerbsfreiheit sogar in den Koalitionsvertrag. Noch vor einigen Wochen hatte auch die deutsche Länderkammer das Telekomanliegen unterstützt.

Dennoch: Die Wettbewerbsregularien stehen fest und werden nicht in Berlin sondern in Brüssel überwacht. Allein wenn die Telekom belegt hätte, dass durch den Aufbau des Netzes ein "neuer Markt" entsteht, wäre die Ausnahme von der Regulierung drin gewesen. Dazu war sie seit rund einem Jahr aufgefordert, aber nicht imstande. Das Produkt THS, das nun voraussichtlich im Oktober kommen wird, wirkt wie eine extended version des T-Visions-Angebotes über herkömmliche 16 MBit-Leitungen (gestattet mir diese im 56K-Land an Zynismus grenzende Bemerkung). Innovativ ist Komaglotzen in riesiger Auswahl, hochauflösend, zeitversetzt, etc. pp. jedenfalls kaum zu nennen. Bei den genannten Preisen von 80 Euro aufwärts wirkt das VDSL-Angebot aus Internet, Telefonie und IPTV mehr als triple pay.

Wie wird die Telekom nun reagieren? Wenig Aussicht auf Erfolg dürfte eine Klage haben. Im Raum steht der Ausbaustopp, der wiederholt als Drohung ausgestoßen wurde. Vermutlich würden dann die derzeit zehn im Aufbau befindlichen Städte zu Ende gebaut, aber die fürs kommende Jahr geplanten weiteren 40 Städte ausfallen. Wünschenswert wäre natürlich Einsicht bei der Telekom den Ausbau fortzuführen und den Wettbewerb im VDSL-Netz anzunehmen. Viel Geld wird auch so zu verdienen sein.

Gänzlich unwahrscheinlich ist eine Standortverlagerung der Telekom aus Deutschland, eine Drohung aus der Frühzeit des VDSL-Aufbaus. Es wäre wie beim Rennen zwischen Hase und Igel. Wo immer Herr Ricke hinwollte, Frau Reding wäre schon da.

Racer
21.08.2006, 16:54
ich kann da die wut der Telekom ganz ehrlich sehr gut nachvollziehen.

Eigentlich steht es den Wettbewerbern aus meiner Sicht nicht zu, das Netz zu nutzen, das sie für den Ausbau nicht einen Cent bezahlt haben.

Das gilt sowohl für ADSL, als auch VDSL!

Governet
21.08.2006, 19:19
Sie hatten aber Geld geboten, um sich zu beteiligen, das hat ja die Telekom nicht angenommen. Man könnte fast sagen, "das haben sie nun davon".

Wenn sie das V-DSL Netz nicht weiter ausbauen, wird sich bei uns auch nicht viel ändern, denn das Geld wird wohl dann ins Ausland gesteckt werden.

Gruß Governet

Racer
21.08.2006, 19:22
Na ja, ob T-Com nun weiter macht oder nicht, kann uns Dorfbewohnern eigentlich egal sein, oder?

Aber trotzdem sind nun die Leidtragenden die, die in der Stadt wohnen.

Governet
21.08.2006, 19:37
Na dann können wir uns ja mal zur Abwechslung über sie lustig machen ;)

Gruß Governet

Crussy
21.08.2006, 21:00
Naja, lustig machen über die, die eine schnellere Verbindung haben ist immer gut :D besonders, da man nicht oft genug einen Grund dafür hat.
Jetzt aber mal wieder BTT, die Telekom hat das Leitungsnetz von Deutschland im Prinzip alleine Aufgebaut und sieht natürlich, dass sie eben durch Konkurenzunternehmen wieder mehr Anteile am Markt verlieren-->sie also das Netz bauen, aber wenig direkten Profit herausschlagen zu können. Ich sag es mal so, können ja eigentlich machen, was se wollen, solange sie auch in für sie nicht "profitable" Gebiete investieren und ned nur an immer den gleichen Stellen ausbauen und mann 5km vor ner Metropole fast auf dem trockenen sitzt.

Governet
21.08.2006, 21:14
Deswegen gibts ja die Regulierung, damit die T-Com Marktanteile verliert und so weit schrumpft, dass ein gesunder Wettbewerb stattfinden kann. Nur leider wird das so nichts werden, da wenn die T-Com irgentwann mal aus der Regulierung rausgenommen wird, ihr immernoch das Gros der TAL's gehört und sie dann die Preise wieder selbst bestimmen kann.

Wirkliche Konkurrenz kommt nur von Seiten der Kabelinternetanbieter, der Mobilfunkanbieter und der Funkanbieter. Alles andere sehe ich eher als Dienstewettbewerber, die die Marktmacht der T-Com nicht wirklich bzwgl. der Leitungsmarkmacht beeinträchtigen.

Gruß Governet

fiutare
22.08.2006, 19:34
hmmmm....ich kann dazu nur sagen: bei uns baut die telekom derzeit DSL aus (kupferüberbauung), also werde ich auch von der telekom meine dsl-verbindung holen. soviel anstand muss sein. ich krieg das ja jetzt hautnah mit, was das für ein aufwand ist. die pflügen hier das ganze wohngebiet um, mit richtig grossem gerät, legen rohre und leitungen, zapfen jedes haus an....

auch wenn ich die letzten jahre auf die t-unternehmen (inkl arcor und konsorten) ziemlich sauer war, muss ich jetzt doch zugeben: die investition ist nicht von pappe. respekt. 8o

genauso sehe ich das auch bei vdsl. wer investiert, sollte belohnt werden... :rolleyes:

Hinrich
22.08.2006, 20:14
Sehr schade ist das. Hätte die Telekom ein Monopol erhalten, wäre damit auch ein Anschlusszwang verbunden. Den Prozess hätte ich gerne geführt.

Flora
22.08.2006, 20:52
Original von fiutare
genauso sehe ich das auch bei vdsl. wer investiert, sollte belohnt werden... :rolleyes:
Prinzipiell hast Du ja recht. Voraussetzung ist doch aber ein freier Markt mit gleichen Chancen für alle Player. Das ist in DE mit der Position der Telekom im Breitbandmarkt aber nicht gegeben. Deshalb umfasst die BNetzA-Verfügung, die gestern von der EU-Kommission grünes Licht erhalten hat, auch mehr als nur das VDSL-Netz.

Alle xDSL-Zugänge müssen für den Wettbewerb geöffnet werden (Bitstream-Zugang). Innerhalb der kommenden drei Wochen soll die Verfügung erlassen werden. Ziel der EU-Kommission sind damit günstigere Endkundenpreise und mehr Innovationen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das für den Rosa Riesen nicht hübsch. Aus volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht jedoch ist das richtig. Die Erfahrungen zeigen, dass es so kommen wird.

GI_Ranger
22.08.2006, 22:37
Na ja, ob T-Com nun weiter macht oder nicht, kann uns Dorfbewohnern eigentlich egal sein, oder?

Stimme voll zu.

stachelzelle
24.08.2006, 09:56
was einige hier nicht wahrnehmen im bezug zur telekom ist das diese das telekommunikationsnetz über welches sie waltet, schaltet und es so gut es geht blockiert nicht selbst erwirtschaftet hat. es wird immer so argumentiert als wenn die telekom die infrastruktur als privates unternehmen selbst finanziert hat. das ist aber falsch ...

der großteil des telekommunikationsnetz wurde von unseren steuergeldern finanziert als die telekom noch ein staatsunternehmen war und zur post gehörte. was unsere staatsdiener in ihrer grenzenlosen arroganz und geldgier dann mit der privatisierung gemacht haben war ein paradebeispiel von enteignung und verarsche. sie haben das was ehemals dem staat und damit uns allen gehörte einem privatunternehmen geschenkt und sich gleichzeitig den löwenanteil an diesem unternehmen in aktienform erkauft (wieder mit unseren steuergeldern)

das hat mit marktwirtschaft und unternehmertum wenig zu tun und war ein riesiger fehler, die infrastruktur hätte niemals einem einzigen unternehmen übereignet werden dürfen sondern wie das z.B. in den usa gemacht wurde in regionale und unabhängige staatlich untergeordnete unternehmen ausgegliedert werden müssen, welche unabhängig und rein nach gemeinwohl die investitionen aller telekommunikationsunternehmen verteilt hätten. denn nur wenn die infrastruktur unabhängig von den unternehmen die sie nutzen ist, gäbe es einen richtigen wettbewerb und darüberhinaus die möglichkeit entscheidungen bzgl. ausbau von infratsuktur gesellschaftlich sinnvoll zu steuern. was bei uns gemacht wurde ist die schlechteste von den vorhandenen möglichkeiten.

ich habe kein mitleid mit der telekom, wenn man sieht mit welchen traumhaften vorrausetzungen dieses unternehem starten konnte, geschenktes eigenes netz, unserem staat als großinvestor und bodyguard ... und wenn man dann sieht was draus gemacht wird, dann habe ich größten respekt vor den unternehmen die ohne solche schützenhilfe und lobby unserer staatsdiener auskommen müssen und sich trotzdem am markt behaupten.

die privatisierung der telekom war ein rieser betrug an uns allen den jetzt wiederum wir alle ausbaden müssen ...

694
24.08.2006, 11:46
@stachelzelle: dem kann ich einfach nur zustimmen.

da kann man sich heute drehen, wenden und regulieren wie man will aber die fehler von damals wird man so nicht korrigieren können. wie kann man einen monopolisten privatisieren, ihm das gesamte netz schenken und dann hoffen man könne per regulierung einen echten wettbewerb schaffen... einen pseudowettbewerb der resaler mehr aber auch nicht...

Racer
24.08.2006, 12:28
Moment.

Geschenkt?

Ich habe da mal was anderes gehört: Der Staat hat ja die Telekom, die Bahn & die Post aufgebaut. Nun hat der Staat irgendwann gemerkt das sie wieder schnell viel Geld brauchen. Aus diesem Grunde wurden wie Telekom, die Bahn & die Post verkauft. So wurden die Unternehmen dann auch privatisiert.

Governet
24.08.2006, 16:52
Die Bahn ist noch nicht verkauft bzw. noch nicht an der Börse.

Letztendlich haben aber alle Aktionäre die T-Com gekauft. Das Netz wurde mit ihr Verkauft. Bei der Bahn hat man in erwägung gezogen, die Schienen nicht zu verkaufen, also von der Bahn abzuspalten.

Gruß Governet

Flora
24.08.2006, 16:55
Original von stachelzelleDazu gäb es eine Menge zu sagen. Ich will mich auf zweierlei beschränken.

1. Wie Du halte ich die Art der Privatisierung für verfehlt. Man hätte sich daran orientieren sollen, was in den USA mit AT&T geschah. Ich wüsste aber nicht, wieso die Regulierung nicht in der Lage sein sollte, das gerade zu rücken. Außerdem besteht auch in Europa immer die Möglichkeit, den Laden auseinander zu nehmen. Die EU-Kommission droht damit schon eine ganze Weile, die Festnetzsparte komplett aus der DTAG auszugliedern.

2. Die Entscheidung _wie_ privatisiert werden soll, fiel in der CDU-FDP-Regierungszeit unter Kohl. Pauschalzuweisungen wie "der Staat" helfen nicht viel. Es gibt Menschen, die Verantwortung für Entscheidungen tragen und es gibt Menschen, die sich die Zähne daran ausbeißen, Entscheidungen zu verhindern oder zu ändern. Diesen Menschen kann man aber bei Wahlen die Möglichkeit verschaffen, erfolgreich bessere Entscheidungen zu treffen.

stachelzelle
30.08.2006, 13:33
@Flora

sicherlich sind die grundlegenen entscheidungen während der regierung kohl veranlasst worden, aber man darf nicht vergessen das unsere regierung immer noch den löwenanteil der t-aktien hält (etwas über 30%) und dadurch praktisch der größe lobbyist der telekom ist. was ja die immer wieder getroffenen entscheidungen mehr als zeigen, unter unseren staatsdienern gab es früher und gibt es heute sehr einflussreiche politiker die alles erdenkliche zum schutz der telekom tun.

@governet

richtig, bezahlt habens alle die kleinen dummen aktionäre und die steuerzahler welche indirekt den aktenanteil der regierung finanziert hat. seitens unserer regierung erhoffte man sich durch die privatisierung in form einer aktiengesellschaft gleich 2 fliegen mit einer klappe zu schlagen was jedoch nach hinten losging. man wollte schnellstmöglich viel geld durch den verkauf erziehlen und hoffte mit dem eigenen anteil an aktien und der daraus sprudelnden renditen die pensionen der vielen hohen postbeamten refinanzieren zu können welche ja als beamte nie in die rentenkasse eingezahlt haben aber als rentner daraus finanziert werden müssen. nun wissen wir ja alle was mit der t-aktie passiert ist und die folgen sind bekannt ...

... man tut was man kann um die investition und den eigenen finanziellen anteil an dem unternehmen so gut es geht zu schützen, und da man ja an der quelle sitzt funktioniert das ja auch ganz gut.

man könnte auch sagen seiten wie diese hier haben wir genau der verkorksten privatisierung zu verdeanken genauso wie den ganzen call by call internet kram.

Crussy
31.08.2006, 20:22
Lest den Artikel und staunt, ich meine dabie eher den letzten Teil

http://news.thgweb.de/2006/08/31/telekom_dsl_preise/

Hinrich
31.08.2006, 22:29
Original von stachelzelle
sie haben das was ehemals dem staat und damit uns allen gehörte einem privatunternehmen geschenkt und sich gleichzeitig den löwenanteil an diesem unternehmen in aktienform erkauft (wieder mit unseren steuergeldern)


Geschenkt ist ja nicht richtig, denn der Börsengang hat ja den neuen Erwerber (= Aktionär) das Inventar bezahlen lassen.

Richtig ist indes die Frage, ob es so richtig war. Besser wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn der Staat die Infrastruktur behalten hätte. Dann müsste die Telekom wie alle anderen auch eine Nutzungsgebühr für die Leitung entrichten, und es gäbe echten Wettbewerb, der keine Regulierung bedarf. In der Folge gäbe es keine Regulierungsbehörde (weniger Kosten), sondern nur eine Netzbehörde, ähnlich eine Straßenmeisterei.

roland2
01.09.2006, 11:26
Original von Hinrich
[Richtig ist indes die Frage, ob es so richtig war. Besser wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn der Staat die Infrastruktur behalten hätte.Nicht nur wahrscheinlich, leider. :(