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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Telekom muss DSL-Anschlüsse entbündeln


Flora
13.09.2006, 12:35
Heute hat die Bundesnetzagentur ihre Regulierungsverfügung (http://www.bundesnetzagentur.de/media/archive/7381.pdf) (pdf-Datei, 148 Kilobyte) veröffentlicht, die die Deutsche Telekom (DTAG) verpflichtet, Wettbewerbern auf deren Nachfrage einen entbündelten Breitbandzugang auf der Basis des Internetprotokolls, den sog. Bitstromzugang, zu gewähren. Kunden benötigen zukünftig keinen Festnetzanschluss bei T-Com mehr, um zusätzlich DSL erhalten zu könnnen. Damit setzt die Regulierungsbehörde um, was vor drei Wochen bereits bei der EU-Kommission für Informationsgesellschaft und Medien grünes Licht (http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/06/1110&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en) bekam. Diese Verfügung gilt für alle DSL-Zugänge der Deutschen Telekom, auch für das im Aufbau befindliche Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL-Netz) (http://www.dslnachpankow.de/cms/modules/news/article.php?storyid=110). Der deutsche Regulierer und die EU-Kommission gehen davon aus, dass diese Maßnahme mehr Wettbewerb in den DSL-Markt bringen wird. Anschlüsse auf Basis der DSL-Technologie sollen so bundesweit schneller verfügbar und günstiger werden.

Die Telekom hatte bereits am 21. August ihrem Unmut über die bevorstehende Regulierungsentscheidung Luft gemacht. Die Auflagen seien ein klassischer Fall von Überregulierung, so haben sich Telekomvertreter eingelassen. Spannend ist die Frage, wie die DTAG nun auf die Verfügung reagieren wird. Seit rund einem Jahr waren massive Drohungen vom Ausbaustopp des VDSL-Netzes über Massenentlassungen bis hin zur Konzernabwanderung zu lesen.

In einem Interview mit dem Magazin Der Spiegel in dieser Woche hat DTAG-Chef Kai-Uwe Ricke noch einmal solche Drohungen unterstrichen. Auf die Frage nach der Regulierung erklärte er: „Nehmen Sie unser VDSL-Netz, in das wir Milliarden investieren wollen. EU-Kommissarin Viviane Reding ist der Meinung, dass dieses Netz keinen technologischen Vorsprung bringt und wir es deshalb auch den Wettbewerbern zur Verfügung stellen müssen. Wenn sie sich durchsetzt, kann es für uns doch nur eine Konsequenz geben: Wir stoppen die Investitionen (...).“

Bleibt Ricke bei diesem Standpunkt ist am wahrscheinlichsten, dass in den ab 2007 für den Ausbau vorgesehenen 40 deutschen Mittelstädten nicht stattfinden wird. Indes ist offen, wie es weitergeht mit den im Aufbau befindlichen 10 Städten, wo rund 500 Millionen Euro verbaut werden. Wünschenswert wäre natürlich Einsicht bei der Telekom den Ausbau fortzuführen und den Wettbewerb im VDSL-Netz anzunehmen. Viel Geld wird auch so zu verdienen sein.

Hart treffen wird es aber die Telekommitarbeiter. Unabhängig von der DSL-Regulierung hat Ricke in dem Spiegelinterview einen massiven Arbeitsplatzabbau angekündigt, da die Änderung der Konzernstrategie hin zu einem rein internetbasierten Telekommunikationsnetz bis zu ein Drittel weniger Personal benötigt.