LTE nicht vor 2015
Auf einer Vortragsveranstaltung des Personaldienstleisters Harvey Nash erklärte der Telekommunikationsexperte Torsten J. Gerpott von der Mercator School of Management Duisburg, dass er keine kurzfristige Migration auf die neue Mobilfunktechnologie LTE erwarte: "Hohe praktische Marktrelevanz wird LTE in Deutschland nicht vor 2015 erlangen, mit einer vollständigen UMTS-Ablösung ist nicht vor 2020 zu rechnen", so seine Einschätzung. Zudem sieht er die von vielen erwarteten neue Applikationen nicht, die eine einträgliche Vermarktung der hohen Netzgeschwindigkeiten versprechen: Bei LTE stehen weniger Spitzenbandbreiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde im Downlink für wenige Kunden im Fokus, sondern flächendeckende mobile Internet-Zugänge mit Downstream-Raten von drei bis sechs Mbit und kurzen Latenzzeiten für viele Kunden im Vordergrund.
Zwar steigen die Datenvolumina im mobilen Internet kontinuierlich an, die Umsätze der Provider mit mobilen Diensten allerdings folgen diesem Anstieg nur gebremst. Stieg das Datenvolumen beispielsweise von 11,49 Millionen Gigabyte 2008 auf 33,5 Millionen Gigabyte im Jahr 2009, was einem Wachstum von 192 Prozent entspricht, kletterten die Umsätze im Non-Voice-Bereich nur um 51 Prozent von 5,1 auf 5,5 Milliarden Euro. Der mit mobilen Applikationen erzielte Umsatz gehe bislang weitgehend an den etablierten Netzbetreibern vorbei. In diesem neuen Geschäft sind noch erhebliche Verteilungskämpfe zu erwarten. Wahrscheinlich sei daher, dass auch "LTE nicht über Nacht zu neuen Diensten und Anwendungen führen wird, sondern zur Evolution und breiteren mobilen Nutzung bereits heute bekannter Internetapplikationen", so Gerpotts Prognose.
Die Herausforderung für ihn ist klar: Die Anbieter müssten die derzeitige Entkopplung von Datenvolumen und Umsätzen überwinden. Denn: ”Die Mobilfunknetzbetreiber werden Investitionen in HSPA und LTE aus bestenfalls stagnierenden Umsätzen finanzieren müssen. Damit besteht die Notwendigkeit, die Kosten pro Verkehrseinheit drastisch zu senken. Ein weiteres Anwachsen mobiler Daten- und Internetdienste sieht er vor allem im Bereich von individualisierten Videoangeboten, die allerdings vorwiegend von weniger zahlungskräftigen und mithin jüngeren Nutzergruppen nachgefragt würden. Auch deshalb erwartet Gerpott mit dem LTE-Roll-Out allenfalls eine Stabilisierung der Umsätze im deutschen Mobilfunkgeschäft.
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