Zahlentricksereien
Wieviel Breitband und Bandbreite sind wirklich? Dass die Zahlen zur Breitbandverfügbarkeit und zu den Bandbreiten häufig offenkundig geschönt sind, ist keine wirkliche Überraschung. Auf kein-DSL finden sich genug glaubwürdige Nutzerbeiträge, die dies dokumentieren. Beispielsweise entzündet sich seit Jahren Kritik am Breitbandatlas der Bundesregierung oder den Verfügbarkeitszahlen der Deutschen Telekom. Dass "bis zu"-Bandbreiten in der Realität dem Nutzer nur selten die volle Geschwindigkeit verfügbar machen, beschäftigt seit langem Verbraucherschützer und Gerichte. Doch dass in offiziellen Regierungsdokumenten der Finger in die Wunde gelegt wird, ist neu. Zumindest in der Öffentlichkeit.
So drang dieser Tage ein Dokument in die Öffentlichkeit, das seit Monaten in den Büros der Macht liegt. Die vom Ex-Monopolisten übermittelten Zahlen stimmen nicht, die angegebenen Bandbreiten sind Bluff, die offiziellen Zahlen zur Erschließung sind unzutreffend und wenn nicht ordentlich Kohle nachgeschossen wird, klappt die ganze schöne Ausbaustrategie nicht. 98 Prozent ein Mbit-ADSL-Abdeckung bewertet das Papier als Fälschung. Tatsächlich tröpfeln überwiegend 640 Kbit aus der Leitung, ein Wert, der im Nachbarland Schweiz zwar als sogenannter Breitband-Universaldienst garantiert wird, laut Autor der Studie aber unzulänglich ist für die aktuellen Breitbandanforderungen. Nicht einmal die öffentlich genannten zwölf Prozent konnten voriges Jahr tatsächlich Breitband erhalten. Und 20 Mbit, das ADSL-Spitzenprodukt des größten Anbieters, gibt es nur für ein Fünftel der dafür zahlenden Kunden.
Sprengstoff in einem 105 Seiten-pdf. In schonungsloser Offenheit beschreibt die Studie nicht nur den Ist-Zustand, sondern listet auch die Finanzbedarfe auf, wenn man vorn mitspielen will unter den breitbanderschlossenen industrialisierten Ländern: Um die bis 2011 geplante landesweite Verfügbarkeit von mindestens zwei Mbit zu erreichen, seien 100 Millionen Euro auf die zur Verfügung stehenden 1,2 Milliarden Euro Breitbandinvestitionsmittel draufzulegen. Ein für die Hälfte der Haushalte verfügbares VDSL-Netz würde 10 Millliarden Euro über einen Fünfjahreszeitraum erfordern. Ein reines Glasfasernetz, das für ein Viertel der Haushalte verfügbar ist, benötigt 5,4 Milliarden Euro in einem Vierjahreszeitraum.
Diese Studie wurde für den Zustand und Perspektiven in Italien geschrieben. Südlich der Alpen ist man mit dem regierungsinternen Wissen um verzerrte Zahlen in der Öffentlichkeit aber ziemlich sicher keine Ausnahme. So finden sich auch im Papier zur Breitbandstrategie in Deutschland Bestandsaufnahmen, die jahrelange Schönfärberei bloßlegen. Dort allerdings sind sie mit einigem sprachlichen Geschick so verpackt, dass in Verbindung mit angekündigten Ausbauschritten der öffentliche Aufschrei ausblieb.
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